Autorin: Susanne Schönmetz  •

Yoga wirkt

Wenn wir Hatha Yoga praktizieren, fördern wir das körperliche und mentale Wohlbefinden. Die Asanas wirken auf allen Ebenen des Körpers; sie stärken ihn und gleichzeitig bewirken sie eine größere Flexibilität. Sie unterstützen die Verdauung, bringen uns ins Gleichgewicht – physisch wie psychisch – und sie beruhigen das Nervensystem.

Verbundenheit

Aber Hatha-Yoga ist nicht nur ein Yoga für den Körper, es ist ein Weg der mit dem Körper beginnt. Der Yogi beginnt mit den Asanas, den Atemübungen, der Konzentration und Versenkung, um sich auf die Meditation vorzubereiten. Unser Körper ist immer im Hier und Jetzt und er ist untrennbar mit unserem Atem, unserem Herzen und unserem Geist verbunden.

Wahrnehmung

Wenn wir uns in unserer Körperwahrnehmung üben kommt dies auch unserer Meditationspraxis zugute. Wenn wir Asanas üben, spüren wir unsere Fußsohlen um sie zu erden, die Kopfkrone um sie anzuheben, die Schultern um sie zu entspannen. Meist fällt es uns leichter, die Empfindungen in unserem Körper wahrzunehmen, wenn wir ihnen aktiv bewegen. Die intensivsten Empfindungen haben wir sicher, wenn wir uns durch anstrengende Haltungen bewegen, aber können wir unseren Körper auch dann noch spüren, wenn die Bewegungen einfacher und subtiler sind.

Tierisch | die Katze & die Kuh

Lass uns doch mit der Katze–Kuh Übung den Körper in der Bewegung erkunden. Lass uns den Körper mit liebevoller Aufmerksamkeit genauso spüren, wie er in diesem Moment ist. Beginne in einer bequemen Position im Sitzen oder liegen und komme an in deinem Körper. Spüre in deinen Körper hinein und nimm wahr welche Bereiche deines Körpers sind entspannt, weit, weich und offen und welche sind vielleicht noch eng und verspannt. Dann lausche deinem Atem, ganz so wie er jetzt gerade kommt und geht. Nimm wahr in welche Körperräume dein Atem strömt und wo er sich ausdehnt und entspanne deinen Körper mit Hilfe deines Atems. Entspanne mit jedem Ausatmen ein bisschen mehr.

Der Ablauf

Komm nun auf alle Viere und platziere deine Hände unter die Schultern und die Knie unter die Hüften. Rolle mit der Ausatmung dein Steißbein nach unten ein und runde deinen Rücken wie eine grimmige Katze nach oben, bis dein Bauch eingezogen ist und dein Kopf entspannt nach unten hängt und dein Blick in Richtung Becken geht. Dann atme ein und lass die Bewegung am Steißbein in die andere Richtung beginnen. Deine Sitzknochen strecken sich nach oben, dein Rücken rundet sich sanft nach unten durch. Der Bauch sinkt nach unten und dein Schädeldach streckt sich zur Decke hin. Lass die Bewegung immer am Steißbein beginnen und fahre fort dich in deinem Atemrhythmus durch die Katze und Kuh zu bewegen.

Neugier

Bleibe während der gesamten Bewegung in der Gegenwart. Bleibe in einem offenen Gewahrsein. Nimm wahr worauf sich deine Aufmerksamkeit richtet. Vielleicht auf den Bereich, der sich am meisten bewegt, oder auf den Bereich, in dem die Empfindungen am stärksten sind? Bleibt die Stelle gleich oder wechselt sie von einem Ort zum nächsten? Findest du an einem Teil der Bewegung mehr gefallen als an einem anderen? Bleibe neugierig und öffne dich jedem Moment der Erfahrung, als begegnest du ihr das erste Mal. Und ganz wichtig begegne und akzeptiere deinen Körper so wie er ist, ohne zu urteilen, ohne zu kommentieren, ohne etwas verändern oder verbessern zu wollen.

Dein Atem – der Chef

Nach einer Weile fokussiere deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Lass deinen Atem die Länge und den Rhythmus der Bewegung bestimmen. Der Atem führt immer in die Bewegung. Zuerst fließt der Atem und die Bewegung des Körpers folgt der Bewegung des Atems. Atem und Bewegung schwingen in einer perfekten Einheit. Nimm wahr wie sich diese Verbindung von Atem und Bewegung auf deinen Atem, deine Konzentration und Achtsamkeit auswirkt. Nimm die Atempausen zwischen dem ein- und ausatmen und aus- und einatmen wahr.

Wie eine Welle

Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf deine Wirbelsäule. Lass die Bewegung wie eine Welle durch deinen Körper fließen und spüre wie sich die Wirbel bewegen. Du kannst deine Aufmerksamkeit auch auf deinen Beckenboden, deine Sitzbeine und das Steißbein ausrichten. Spüre den Unterschied zwischen einem entspannten und angespannten Beckenboden. Spüre wie sich die Sitzbeine zueinander hin und voneinander weg bewegen. Oder du fokussierst deine Aufmerksamkeit auf deine Fußsohlen und Handflächen und nimmst die Verbindung zum Boden wahr, oder… oder… oder…

Nein, nein … nicht einmischen!

Zum Nachspüren schiebe deinen Po auf die Fersen, lass die Stirn zum Boden sinken und lege die Arme neben deine Beine. Komme an in der Haltung des Kindes und atme ganz natürlich. Lass deinen Atem einfach so sein wie er ist und mische dich nicht ein. Versuche deinen echten, freien Atem zu finden. Versuche mit deinem Atem präsent zu sein, so wie er gerade ist.

Ende

Um die Übung zu beenden, stütz die Hände am Boden auf, zieh deinen Bauchnabel zur Wirbelsäule und rolle dich langsam auf zum Sitzen. Du kannst diese Art des Erkundens auf viele Übungen anwenden. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Erlaube dir deinen Körper kennen zu lernen und fange an, ihn wirklich zu spüren.

Erlebe sie – diese Meditation in Bewegung.