Autor: Susanne Holst-Franke  •  Lesezeit: 3 Minuten

Um dies zu erklären, gebe ich ihnen heute einige Beispiele aus meinem Alltag als Frau, als Therapeutin, als Mutter, als Verkehrsteilnehmerin, als …

Mein Mann – der Überraschungsmoment

Wenn ich meinem Mann begegne, denke ich oft zu wissen, was er tun wird, was er im nächsten Moment sagen wird, wie er reagieren wird – und meistens bilde ich mir meine Glaskugel-Fähigkeiten nur ein, denn mein Mann ist ein Überraschungs-, nein nicht Ei, sondern -Moment. Immer wieder aufs Neue.

Meine Glaskugel

Meine Glaskugel-Fähigkeit maße ich mir, aufgrund vieler gemeinsamer Jahre an und werde immer wieder vom HEUTE, HIER und JETZT und meinem Mann überrascht. Ich mag diese Überraschungen sehr und ich ermögliche sie mir, wann immer ich meine Glaskugel beiseitelegen kann. Jetzt möchten sie vielleicht wissen, wie ich das mache. Und die Antwort ist recht simpel: Ich bin still (erst mal 🙂 ), höre zu, schaue genau hin und atme, das tue ich nämlich ganz automatisch – ich schenke Raum, mir und ihm und all den Überraschungen!

Bewusste Haltung einnehmen

Als Therapeutin wäre es fatal zuzuhören – der Antworten willen – denn es geht ja gar nicht um MICH! Übertragungen und Gegenübertragungen könnten von mir übersehen, bzw. überhört werden und den Therapieprozess gefährden. Auch hier versuche ich Raum zu schaffen, ja ich bereite den Raum für meine Klienten. Raum für ihre eigene Reflexion und Entwicklung, ungestört von meinen persönlichen Meinungen. Dies ist immer wieder eine bewusste Haltung die ich einnehme und die nicht nur meinen Patienten, sondern auch mir, viel Freiheit zur “Ent-Wickelung“- wir „verstricken“ uns nicht! – gibt.

Mutter sein

Mutter sein ist eine Herausforderung. Mutter SEIN. Hm. Ja, ich musste lernen, meine Kinder SEIN zu lassen und dabei kam mir meine Glaskugel-Attitüde immer wieder in die Quere. „Oje oje, ich weiß, wie das enden wird, wenn er oder sie dies tut oder eben auch nicht tut.“ Meine Glaskugel ist eigentlich eine Disco-Kugel, sie wissen schon, mit all diesen kleinen Spiegeln- sie spiegelt nichts weiter als meine eigenen Emotionen, Ängste, Erfahrungen, Meinungen, Wünsche etc. Wann immer ich meine Kinder SEIN lasse, entwickeln sie sich zu Überraschungen, und Überraschungen liebe ich sehr.

Mein täglicher Amoklauf

Als Verkehrsteilnehmerin kann ich schon sehr schwierig werden. Ich kann mich über scheinbar „unfähige“ Autofahrer sehr aufregen. Ein morgendlicher gedanklicher Amoklauf ist keine Seltenheit. Das kostet enorm viel Energie, die reicht aber bedauerlicherweise nicht, um mich in meine Praxis zu beamen. Verflucht! Meine morgendliche Übung ist, die der Geduld und Nachsicht – und auch hier kann ich meine Glaskugel getrost zum Fenster hinauswerfen.

Denn gerade gestern machte ich eine Überraschungs-Erfahrung: ich hielt neben einem “Verkehrshindernis“, um es mit heruntergelassener Scheibe zu beschimpfen (ich hätte mal besser meine Glaskugel hinausgeworfen), und bevor ich überhaupt loslegen konnte, sagte sie: „Entschuldigen sie bitte! Ich weiß, das war total daneben. “Ups! Da blieb mir nur ein „na klar und einen schönen Tag noch“ und dann war ich entwaffnet. Überraschung!!!

GAP – der Raum – mehr Raum

Sie sehen: es gibt viele Möglichkeiten GAP wahrzunehmen, zu nehmen, zu geben, zu üben, zu praktizieren. Und wann immer sie das tun, werden sie spüren, dass GAP der Raum ist! GAP ist der Raum zwischen Reiz und Reaktion. Der Raum für Ihre Entscheidungen, der Raum für ihre Wahl. GAP ist der Raum, ist ihre persönliche Freiheit!

Viel Freude beim Entsorgen ihrer Glas – und Discokugeln!