Autorin: Andrea Weber • Dauer: 5 Minuten • 


2500 Jahre Tradition. Ein kurzer Ausflug zu den Quellen. In Artikeln zum Thema Achtsamkeit ist häufig zu lesen, dass Achtsamkeit seit 2500 Jahren Tradition hat. Doch auf was genau bezieht sich dies genau?

Machen wir uns auf die Suche

Wenn wir uns auf die Suche danach machen, stoßen wir auf Siddhartha Gautama, den historischen Buddha und dessen Lehren, den Suttas. Diese Reden wurden zunächst mündlich weitergegeben, bevor sie nach ca. 300 Jahren niedergeschrieben wurden. Der Erste, der die Lehren vollständig mündlich wiedergab, soll Ananda gewesen sein, ein Vetter Buddhas und sein stetiger Begleiter.

Ananda war für sein hervorragendes Gedächtnis bekannt. Auch wenn man davon ausgeht, dass die Gedächtnisleistung der Menschen in einer Gesellschaft, in der alles mündlich weitergegeben wurde, deutlich besser war, als wir es uns vorstellen können, ist es eine beachtliche Leistung. Wenn zu Beginn einer Lehrrede steht: „Das habe ich gehört“, so ist es Ananda, der gehört hat und hier “spricht“. 2500 Jahre Tradition

Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass bis zur ersten Niederschrift die Worte Buddhas unverfälscht weitergegeben wurden. Und mir stellt sich hier die Frage, in welcher Sprache wurde damals gesprochen? Diese Frage kann die Wissenschaft bis heute nicht beantworten. Damit wir sie heute lesen können, waren sicher mehrfache Übersetzungen erforderlich.

Klarheit

Was nun die Achtsamkeit betrifft, so wird sehr häufig die „Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit“ (Satipatthana-Sutta) hervorgehoben. Ganz klar strukturiert ist hier formuliert, wie Achtsamkeit kultiviert werden kann. Ich möchte eine kurze Passage als eine Art Kostprobe zum Lesen vorstellen:

„Da setzt er sich nieder, nachdem er in den Wald oder zum Fuße eines Baumes oder in eine leere Hütte gegangen ist; nachdem er die Beine gekreuzt, den Oberkörper aufgerichtet und die Achtsamkeit vor sich verankert hat, atmet er völlig achtsam ein, achtsam atmet er aus. Wenn er lang einatmet, versteht er: Ich atme lang ein – oder wenn er lang ausatmet, versteht er: Ich atme lang aus. Wenn er kurz einatmet, versteht er: Ich atme kurz ein – oder wenn er kurz ausatmet, versteht er: Ich atme kurz aus.*

Einfach einfach

Eine ganz einfache Anleitung zur Atemachtsamkeit. So wenig ausführlich diese Anleitung ist, beinhaltet sie in ihrer Einfachheit doch alles, was wir bisher über die Achtsamkeit wissen. Da ist das bewusste Zuwenden zu einer Erfahrung – hier des Atmens und das Wahrnehmen – hier des Atmens und mehr nicht – ohne zu bewerten. 2500 Jahre Tradition

Versuchen Sie es

Ich möchte Sie einladen, sich in dieser Weise Ihrem Atmen zuzuwenden – für 2 oder 3 Atemzüge. Nur wahrnehmen wie das Einatmen und das Ausatmen im Körper wahrzunehmen ist.

Und wenn wir unser Üben und den Text und nun genauer betrachten, dann geht es um ein Verstehen und eine Bewusstheit, eben ein bewusstes Wahrnehmen. Dieses erfordert eine bewusste Entscheidung, dass ich mich dem Atmen in dieser Weise zuwenden möchte: Das ist dann nicht ein „Ich atme“, sondern ein „ da ist das Atmen“, denn es ist nicht das Ich, das atmet, sondern das Atmen geschieht und wir wenden uns ihm zu, und nehmen bewusst wahr, wenn das Einatmen/Ausatmen lang ist, wenn es kurz oder auch tief ist, dass dies so ist. Und mehr eben nicht.

Wir nehmen keinen Einfluss auf das Atmen, um etwa ganz besonders tief oder lang ein- oder auszuatmen und wir kommentieren das Atmen und unsere Erfahrung auch nicht. 2500 Jahre Tradition

Ihre Andrea Weber

*Quellnachweis: Satipatthana-Sutta Die Übersetzung ins Deutsche ist von Kay Zumwinkel (Mettiko Bhikkhu) 1999