Autorin: Sylvia Funk • Dauer: 4 Minuten •
Valentinstag. Braucht Liebe Beweise? Vor wenigen Tagen war Valentinstag. Ein Tag, den ich persönlich für sehr fragwürdig halte und an dem ich mich immer wieder frage: Brauchen wir wirklich einen solchen Tag, der uns daran erinnert, den Menschen, die wir lieben mit Blumen oder anderen Geschenken unsere Zuneigung zu zeigen? Ist das nicht traurig, wenn wir einen solchen Tag brauchen? Was ist an den anderen 364 Tagen?
Erwartungen
Und gleichzeitig empfinde ich es immer wieder als äußerst spannend, welch unterschiedliche Erwartungen Menschen an ihren Partner oder ihre Partnerin in Bezug auf den Valentinstag haben.
So hörte ich beispielsweise, wie eine Frau zu ihrem Mann sagte: „Du behauptest immer, dass die Blumen am Valentinstag extra teuer sind. Und du willst diese Abzocke nicht unterstützen – deshalb bekomme ich an diesem Tag nie Blumen von dir. Aber, wenn du mich wirklich lieben würdest, dann wäre dir das egal.“
In dieser einen Aussage steckt so viel: Vorwurf, Enttäuschung und Sehnsucht. Und am Ende eine leise Resignation. Solche Aussagen höre ich nicht nur rund um den Valentinstag. Sie tauchen immer wieder auf und zeigen, dass etwas Grundsätzliches in der Beziehung in Frage gestellt wird.
Doch was bedeutet diese Aussage wirklich? Was dahinter steckt, ist: Ich weiß nicht, ob du mich noch liebst. Ich brauche einen Liebesbeweis von dir. Doch braucht Liebe Beweise?
Wann verlangen wir nach Beweisen in der Liebe?
Beweise fordern wir immer dann, wenn wir etwas nicht glauben können. Wenn Vertrauen fehlt. Wenn Unsicherheit größer ist als Gewissheit. Ein Beweis soll bestätigen, was innerlich nicht mehr selbstverständlich ist. Und natürlich ist der Wunsch nach Bestätigung zutiefst menschlich. Wir alle sehnen uns danach, gesehen, gewollt und geliebt zu sein. Doch wenn diese Sehnsucht nur noch durch Beweise beruhigt werden kann, lohnt es sich genauer hinzuschauen.
Wenn eine Beziehung an dem Punkt angekommen ist, an dem Vertrauen nur noch gegen sichtbare Bestätigungen gewährt wird, was ist dann überhaupt noch da?
Wenn Zuneigung mit Blumen, Pralinen oder anderen Gesten gezeigt werden muss, damit man sie glauben kann…
Wenn Aufmerksamkeit eingefordert wird, um sich sicher zu fühlen…
Wenn Gesten zur Bedingung werden…
Dann beginnt eine Beziehung, sich von echter Liebe zu entfernen und immer mehr wie ein Tauschhandel zu funktionieren.
Du gibst mir das — dann bekommst du das.
Wenn du mir das vorenthältst — entziehe ich dir jenes.
Dabei kann dieses „das“ alles sein: Zuneigung. Aufmerksamkeit. Sex. Blumen. Pralinen. Zeit. Worte. Gesten…
Was genau eingefordert wird, spielt im Grunde keine Rolle. Sobald Liebe einen Beweis braucht, wird sie verhandelbar. Und Liebe, die verhandelt wird, hat ihre Selbstverständlichkeit verloren.
Wenn Liebe zur Bedingung wird
Ein Liebesbeweis klingt zunächst romantisch. Doch unter der Oberfläche steckt oft etwas anderes:
- Die Angst, für den anderen nicht wichtig genug zu sein.
- Die Angst, übersehen zu werden.
- Die Angst, nicht wirklich geliebt zu werden.
Der geforderte Beweis soll diese Angst beruhigen. Aber er kann sie nie dauerhaft stillen. Denn jeder Beweis wirkt nur für einen kurzen Moment. Dann braucht es den nächsten. Und den nächsten. Und den nächsten… So entsteht eine Beziehung, die ständig bestätigen muss, was früher einfach gespürt wurde.
Woran erkennt man dann Liebe?
Liebe ist nicht das, was mit Beweisen eingefordert werden muss. Liebe ist das, was da ist — auch ohne Aufforderung.
Sie zeigt sich nicht in Beweisen, sondern in einem inneren Erleben von Vertrauen und Sicherheit. Liebe sollte sich auf keinen Fall wie ein „Tauschhandelsabkommen“ anfühlen, sondern vielmehr wie ein sicherer Hafen. Liebe ist auch kein Strohfeuer, sondern eher wie eine nährende Glut. Und Liebe erlischt, wenn ihr durch Einfordern von Beweisen und zu viel Kontrolle die Luft genommen wird. Sie wächst dagegen, wenn wir uns ehrlich einbringen, nicht durch Vorgaben von außen, sondern durch echte Begegnung in Form von:
- Blicken
- Berührungen
- miteinander reden
- gemeinsamen Erlebnissen
- kleinen Gesten
- und ja, auch in Form von Geschenken.
Aber nicht, weil sie verlangt werden, sondern weil es ein Bedürfnis aus dem Inneren ist, freiwillig, ohne Druck und ohne Erwartungshaltung. Dann dient es der Verbundenheit und wir fangen an, uns wieder wirklich berühren zu lassen und Liebe wieder zu fühlen.
Dazu lade ich euch ein.
Alles Liebe – Eure Sylvia Funk






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