Autorin:  Susanne Schönmetz • Dauer: 5 Minuten


Namaskar Mudra – die Geste des Herzens. Wenn wir unsere Yogastunde mit gefalteten Händen vor dem Herzen beginnen oder beenden, kann es für Außenstehende oder Neulinge vielleicht etwas befremdlich wirken. Tatsächlich ist es in Indien ein alltäglicher Gruß. Genauso wie bei uns ein Händedruck, in Süddeutschland noch oft begleitet von einem „Grüß Gott“. Ganz ähnlich wird die traditionelle indische Grußform „Namaste“ definiert. Es bedeutet so viel wie: „Ich verneige mich vor Dir“ oder poetischer ausgedrückt „Ich grüße das Lichtvolle in Dir“ oder „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir.“

Doch Namaskar Mudra auch bekannt als Namaste- und Anjali Mudra ist weit mehr als nur eine Höflichkeitsgeste. Ich übe Namaskar Mudra nicht einfach aus Routine oder weil man es einfach so macht. Wenn ich eine Yogastunde mit Namaste Mudra beende ist es für mich ein Symbol der Wertschätzung und tiefer Dankbarkeit. Es ist ein kurzer, stiller Moment der Achtsamkeit. Es ist wie eine Brücke zwischen Yogapraxis und Alltag. Für mich ist es ein Moment tiefer Verbindung – mit mir selbst, mit anderen, mit dem Leben.

Wie üben wir Namaskar Mudra?

Die Handflächen berühren sich vor dem Herzen, die Finger zeigen nach oben. Der Kontakt zwischen den Handflächen ist sanft, aber bewusst. Der Brustkorb richtet sich auf, die Schultern sinken und der Atem wird ruhiger. Wir zentrieren unsere Energie im Herzen. Wir richten unser Bewusstsein nach innen. Es ist ein kurzer, stiller Dialog mit uns selbst – achtsam, freundlich und präsent. Es kann ein innerer Anker sein, der uns daran erinnert, dass wir immer wieder zurückkehren können – zu uns selbst, zu unserem Herzen.

Mehr als eine Geste

Diese Geste reflektiert das Ziel des Yoga. Yoga sucht alle Gegensätze zu vereinen und die Trennung aufzulösen. Wenn wir unsere Hände vor dem Herzen zusammenlegen, verbinden sich auch die Energiedimensionen in einer besonderen Weise in uns und wir können ein Gefühl der Einheit erfahren.

Das Energiesystem drückt sich in unseren Händen auf besondere Weise aus. Der schlichte Akt des Händehaltens kann sehr innig sein und lässt uns Nähe, Zuneigung, Intimität, Liebe und Verbundenheit erfahren. Im Yoga lässt uns die traditionelle yogische Geste Namaskar Mudra diese Verbundenheit erfahren.

So wie wir zwei Hände haben, haben wir auch zwei Seiten des Körpers. Im Yoga wird das Prinzip der Polarität als Sonne und Mond innerhalb des Körpers beschrieben, wobei die Sonne die rechte, der Mond die linke Seite repräsentiert. Wir verbinden die Elemente miteinander und bringen beide Seiten des Körpers ins Gleichgewicht. Es symbolisiert gleichzeitig die Verbindung der männlichen und weiblichen Energien in einem Wesen. Zwei gegensätzliche Kräfte die sich vereinen. Rechts – links, rational – emotional, denken – fühlen, Yin und Yang. Namaskar Mudra wirkt wie eine vereinigende Kraft, die die Energien ausgleicht und unseren ganzen Organismus harmonisiert.

Eine kleine Geste mit großer Wirkung

Gerade im Yoga sind die einfachsten Übungen oft die kraftvollsten. Wenn wir die Geste Namaskar in Asanas ausführen unterstützt es die positive Wirkung der einzelnen Yogaübungen. Es bringt uns aus dem Kopf in den Körper, vom Außen ins Innen. Es zentriert und erdet uns. Wir wollen die Gegensätze auflösen und unsere Energien ausbalancieren. Wenn es daher zusammen mit bestimmten Yoga-Haltungen wie dem Baum, der Heldenhaltung oder Malasana der indischen Hocke praktiziert wird, verbessert es die Konzentration, das Gleichgewicht und das Bewusstseins, was zur Stabilität von Körper und Geist beiträgt.

Eine Einladung

Vielleicht magst du diese Geste heute selbst ausprobieren – ganz bewusst. Nimm dir einen Moment, verbinde die Hände vor dem Herzen, schließ die Augen, spür deinen Atem. Stell dir vor deinem inneren Auge ein Bild vor, das ein Gefühl der Liebe, Verbundenheit und des Wohlwollens in dir entstehen lässt. Vielleicht ist es dein Partner, dein Kind, dein Haustier, ein Platz in der Natur, am Meer, auf einem Berg, dein Essen. Wende diesem Bild deine liebevolle Aufmerksamkeit zu. Beobachte was es mit dir macht.

Wenn wir dieses Gefühl des liebevollen Gewahrseins in jede einfache Handlung legen, werden wir unser Leben auf neue Art erfahren. Namaste

Eure Susanne Schönmetz