Autorin: Heike Schulz • Dauer: 4 Minuten •
Mein persönlicher Zen-Meister. Seit einigen Monaten habe ich einen Zen-Meister bei mir; die Nachbarskatze, Lilli, hat mich als Zweitwohnsitz ausgewählt. Durch sie habe ich gelernt, welche Defizite ich noch in Punkto Achtsamkeit und Fokus habe.
Es wird langweilig
Sie setzt sich auf meinen Schoß und will gestreichelt werden. Das ist sehr schön! Das seidige Fell, das sanfte Schnurren, aber nach fünf Minuten fange ich an unruhig zu werden. Das Streicheln reicht nicht mehr. Es wird langweilig. Was könnte ich denn noch tun? Denn Lilli sitzt immer noch friedlich vor sich hin schnurrend und haarend auf meinem Schoß. Sie runter zu schmeißen kommt nicht in Frage. Also angle ich nach meinem Smartphone, das gottseidank in Reichweite liegt und mache mein Hörbuch oder meinen Weiterbildungskurs an. So kann ich noch weiter streicheln und mein inneres Unruhetier ist besänftigt.
Streichle ich zu 100 % die Katze?
Nein, natürlich nicht und das merkt sie auch und schaut mich vorwurfsvoll an: Wo bleibt der Rest der Aufmerksamkeit und Energie?!
Die Kunst des Wartens
Eine weitere Kunst, die mein Zen-Meister beherrscht ist, geduldig vor der Haustür zu sitzen und zu warten, bis jemand nach Hause kommt und sie rein lässt. Wenn es sein muss über eine sehr lange Zeit. Und alles was sie tut ist sitzen und warten. Ganz entspannt in dem tiefen Bewusstsein, dass irgendwann jemand kommt und die Haustüre aufmacht. Bewundernswert! (das kommt dann wohl im Fortgeschrittenenkurs 😉 .
Wieso konnten die das früher?
Auf alten Bildern sieht man manchmal Menschen, die zufrieden eine Katze auf dem Schoß streicheln und sonst nichts weiter tun. Woher konnten die das?? Oder können wir das heute eigentlich auch und irgendetwas hat uns vom Weg abgebracht? Wer sagt eigentlich, dass wir ständig erreichbar sein müssen? Dass Multitasking Fähigkeit etwas Positives ist?
Nur mit 100 % Aufmerksamkeit fließen 100 % der Energie
Lillis Meinung dazu ist eindeutig: WO BLEIBT DER REST DER AUFMERKSAMKEIT ??? Zum Glück ist Lilli mein Zen-Meister geworden und ich wage mich immer weiter hinaus in das unbekannte Land des Single-Tasking in Form von Katze streicheln. Das ist nun Teil meines Morgenrituals.
DANKE Meister, dass Du mich als Schüler gewählt hast 🙂
Deine Heike Schulz






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