Autorin:  Antje Künstle • Dauer: 5 Minuten • 


Ausgewechselt ? Vor eineinhalb Jahren habe ich hier in diesem Blog über die Wechseljahre geschrieben. Und wie so vieles im Leben ist auch das ein Prozess, der sich verändert und weiterentwickelt. Wenn man ein Stück durchgegangen ist, erkennt man oft auch die Ursache oder den tieferen Sinn dahinter.

Lebenskrise

Die Zeit in der Menopause kann für Frauen eine Art Lebenskrise hervorrufen. In der Regel heißt es, dass ein Drittel der Frauen stark unter diversen Beschwerden leidet, während ein weiteres Drittel leichte Symptome hat und das letzte Drittel erlebt in diesem Lebensabschnitt keinerlei Beeinträchtigungen.

Da ich zum ersten Drittel gehöre, hatte ich so ziemlich alles im Programm, was an Beschwerden möglich ist. Und natürlich frage ich mich: Warum? Ich führe einen bewussten und gesunden Lebensstil, praktiziere seit über 20 Jahren Yoga und doch war ich zeitweise massiv beeinträchtigt, körperlich und psychisch.

Genau hinschauen

Jetzt mit etwas Abstand und zum Glück kaum noch Beschwerden kann ich erahnen, was das Geschenk dieser Krise war. Nämlich die Rückbesinnung auf mich selbst und meine Bedürfnisse. Wie die meisten Menschen in der Lebensmitte ist der Alltag stark von beruflichen und privaten Verpflichtungen und Freizeitstress geprägt. Eine Krise, das kann auch eine plötzliche Krankheit sein, die uns aus dem gewohnten Ablauf herauszwingt, fordert uns auf, genau hinzuschauen.

Meine Prioritäten

Was sind meine Prioritäten? Welche Werte lebe ich und welche haben sich überholt? Habe ich die richtigen Menschen um mich, die mich und meine weitere Reise begleiten? Liebe ich das, was ich mache oder braucht es eine Umorientierung? Wieviel Zeit nehme ich mir für mich? Brauche ich mehr Ruhe…? Und Ja, man darf dann auch etwas ändern. Wenn also Frau in den Wechseljahren einfach weiter ihr übliches Programm durchzieht, geht das unter Umständen nach hinten los.

Wir dürfen uns eingestehen, dass uns manche Dinge zumindest in der akuten Phase nicht mehr guttun oder nicht mehr funktionieren. Da ist oft ein schmerzvolles sich eingestehen und loslassen notwendig. Wo doch die ausgedehnten Rad- & Wandertouren am Wochenende immer so viel Spaß gemacht haben.

Denn eines hab ich am eigenen Leib erfahren und gelernt, jede Form von Stress ist Gift in der Menopause. Denn wenn der Körper unablässig Stresshormone, wie zum Beispiel Cortisol produziert, führt das zu einer Störung der Produktion von Östrogen und Progesteron, wodurch sämtliche Symptome der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Gelenkschmerzens verstärkt werden.

Stressmanagement

Also Stressmanagement ist einer der wichtigsten Schlüssel um das hormonelle Gleichgewicht zu erhalten. Jetzt darf man sich ernsthaft fragen, was sind die Ursachen von Stress im eigenen Leben. Schwierige Beziehungen oder dauerhafte Unzufriedenheit in einem Lebensbereich verursachen auf Dauer genauso Stress wie zu hohe Ansprüche an sich selbst oder das ständige Sorgen machen um die Kinder, die Finanzen, etc… Hier gilt es achtsam hinzuspüren und ehrlich mit sich selbst zu sein. Manche Stressfaktoren lassen sich nicht verändern aber auf die viele haben wir Einfluss, zumindest was unsere Einstellung, unsere Denkweise betrifft.

Die frohe Botschaft ist, es kann sich wieder verändern. Es gibt ein gutes Leben jenseits der Wechseljahre und auch währen dessen gibt es angenehme Tage. Ob es schon vorbei ist? Ich kann es nicht sagen, aber ich fühle mich ausgewechselt.

Deine Antje Künstle