Autorin:  Sylvia Funk • Dauer: 5 Minuten • 


Glück ist ein seltsamer Vogel. Wer kennt sie nicht, diese Momente, in denen du denkst: „Wenn ich erst den neuen Job habe…“, „Wenn die Kinder größer sind…“, „Wenn ich endlich mehr Geld verdiene…“, „Wenn ich ein paar Kilo weniger wiege…“. Dann werde ich ganz sicher glücklich sein.

Komischerweise verschiebt sich die Ziellinie des Glücks oft schneller als wir laufen können. Glück ist ein bisschen wie ein frecher Vogel. Kaum glauben wir, ihn eingefangen zu haben, flattert er schon wieder ein Stück weiter. Doch was macht Menschen tatsächlich glücklich?

Was Menschen glücklich macht – oder die Überraschung, die eigentlich keine ist

In einer repräsentativen SINUS-YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2024 nannten die Deutschen Gesundheit mit Abstand am häufigsten als Glücksfaktor. Danach folgten eine gute Partnerschaft, eine intakte Familie, finanzielle Sicherheit und ein schönes Zuhause. Interessant dabei ist, dass Dinge wie Schönheit, Bildung oder beruflicher Erfolg weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten.

Eine etwas ältere Allensbach-Befragung kam nahezu zum selben Ergebnis. Auch dort stand Gesundheit, Zufriedenheit in Partnerschaft und Familie und finanzielle Sicherheit ganz oben.

Und selbst eine Ipsos-Studie aus 29 Ländern bestätigt dieses Bild: Menschen fühlen sich besonders glücklich, wenn sie sich geliebt, geschätzt und mit anderen verbunden fühlen.

Eigentlich erstaunlich… oder auch nicht

Wenn wir mal ganz ehrlich sind, wissen wir doch alle längst – oder ahnen es zumindest tief in unserem Inneren, was uns guttut und was wirklich zählt. Demnach liegt das Problem weniger am Wissen als vielmehr an der Aufmerksamkeit und Umsetzung.

Wir verbringen oft mehr Zeit damit, nach dem Außergewöhnlichem zu suchen, als das Wertvolle wahrzunehmen, das bereits da ist. Wir träumen vom großen Glück und übersehen dabei die täglichen kleinen Glücksmomente, wie:

  • Den ersten Kaffee am Morgen,
  • das Lachen eines geliebten Menschen,
  • eine herzliche Umarmung,
  • einen Spaziergang in der Sonne…

Vielleicht liegt die größte Ironie unseres Lebens darin, dass wir Glück häufig dort suchen, wo es gar nicht ist. Glück ist kein Zielort. Auch wenn viele Menschen das Glück wie einen Ort auf ner Landkarte behandeln: „Noch 20 km geradeaus, dann rechts abbiegen und dann bin ich da.“

Doch Glück ist eher wie ein Muskel, der auf dem Weg wächst und stärker wird durch Aufmerksamkeit, durch Dankbarkeit und nicht zuletzt durch Verbundenheit und durch die Fähigkeit, auch mitten im Trubel des Alltags kleine Lichtblicke wahrzunehmen. Und das nicht irgendwann in der Zukunft an einem bestimmten Ort, sondern jetzt – genau hier und jetzt, wo wir gerade sind.

Die Frage, die alles verändern kann

Vielleicht lohnt es sich genau deshalb, sich regelmäßig die folgenden Fragen zu stellen: Wenn Gesundheit, Liebe, Familie und echte Verbundenheit nachweislich zu den wichtigsten Quellen des Glücks gehören, wie viel Aufmerksamkeit bekommen diese Bereiche im Augenblick von mir geschenkt? Und wie viel Energie investiere ich stattdessen in Dinge, von denen ich glaube, dass ich sie brauche, um – irgendwann – glücklich zu sein?

Manchmal beginnt ein glücklicheres Leben nicht damit, mehr zu bekommen, sondern damit, mehr von dem wahrzunehmen, was bereits da ist.

Der freche Vogel namens Glück sitzt nämlich längst auf unserer Schulter. Wir sind nur gerade damit beschäftigt, am Himmel nach ihm Ausschau zu halten.

Ein Glücks-Moment am Tag

Wie wäre es, wenn du dir heute Abend zwei Minuten Zeit nimmst und dir drei Dinge notierst, die dir heute gut gelungen sind oder worüber du dich gefreut hast. Das müssen keine großen Erfolgserlebnisse sein, sondern die kleinen, oft übersehenen Momente im Kontakt mit anderen Menschen. Du wirst überrascht sein, wie viele Glücksspuren so ein ganz normaler Tag hinterlassen kann.

Alles Liebe – Eure Sylvia Funk