Autorin:  Sibylle Schiller • Dauer: 6 Minuten • 


Ama im Ayurveda – Wenn Körper und Geist nicht alles verdauen können.

Kennst du Tage, an denen du dich müde und belastet fühlst, obwohl du ausreichend geschlafen hast? Oder Momente, in denen dein Kopf voller Gedanken ist und dennoch keine innere Ordnung entsteht? Im Ayurveda gibt es dafür einen Begriff: Ama. Er beschreibt all das, was wir aufgenommen, aber nicht vollständig verarbeitet haben. Körperlich, geistig und emotional. Ama zeichnet sich durch Schwere und Klebrigkeit aus.

Unverdaut

Ama bedeutet übersetzt „unverdaut“ oder „unrein“. Es entsteht, wenn Nahrung, Eindrücke oder Gefühle nicht ausreichend verarbeitet werden und Rückstände hinterlassen. Aus ayurvedischer Sicht kann dies das natürliche Gleichgewicht von Körper und Geist beeinträchtigen.

Vielleicht findest du dich in Situationen wie diese wieder: Du isst hastig dein Mittagessen zwischen zwei Terminen, beantwortest nebenbei Nachrichten und bemerkst kaum, was auf deinem Teller liegt. Oder du greifst nach einem anstrengenden Tag zu einer üppigen Mahlzeit und einem Glas Wein, obwohl dein Körper eigentlich Ruhe, Entspannung und Entlastung sucht. Gefühle die belasten werden zur Seite geschoben, weil im Alltag kein Raum für sie bleibt. Solche Gewohnheiten können die Entstehung von geistigem Ama fördern.

Dieses Ama kann auf jeder Ebene Beschwerden verursachen, die ganz unspezifisch wirken. Ein morgendlicher Zungenbelag, Müdigkeit und trotz ausreichend Schlaf, ein Gefühl von Trägheit, Blähungen oder Verdauungsunregelmäßigkeiten können erste Hinweise sein. Manche Menschen berichten auch von Gelenksteifheit, einer erhöhten Infektanfälligkeit oder dem Eindruck, nicht ganz in ihrer Kraft zu sein.

Körper und Geist

Besonders interessant ist, dass Ama nicht nur den Körper beeinflusst. Auch unser Geist kann davon betroffen sein. Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Themen, Entscheidungen fallen schwerer und die innere Ausrichtung geht verloren. Vielleicht kennst du das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein und dennoch nicht wirklich voranzukommen. Oder du bemerkst, dass selbst ruhige Momente sofort mit neuen Reizen gefüllt werden. Aus ayurvedischer Sicht können auch hier unverarbeitete Eindrücke und Emotionen den Geist belasten und seine natürliche Klarheit trüben.

Die gute Nachricht ist: Oft sind es bereits kleine Veränderungen, die einen Unterschied machen. Ein bewusster Atemzug vor dem Essen. Das Handy während der Mahlzeit zur Seite legen. Langsamer kauen und den Geschmack der Nahrung wirklich wahrnehmen, vor und nach dem Essen nichts trinken, etc. der Ayurveda hat vielfältige Maßnahmen die den Körper von Ama befreien. Oder einfach kurz innehalten und dich fragen: „Habe ich gerade tatsächlich Hunger oder brauche ich vielleicht eine Pause, Bewegung oder frische Luft?“

Einfache Gewohnheiten

Diese einfachen Gewohnheiten fördern nicht nur deine Achtsamkeit, sondern stärken auch dein Agni, die Verdauungskraft. Denn Verdauung funktioniert am besten, wenn wir entspannt und präsent sind.

Ebenso wichtig ist die sogenannte mentale Verdauung. Erlebnisse, Konflikte und Gefühle möchten verarbeitet und integriert werden. Ein Spaziergang, eine Meditation, ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen oder das Aufschreiben von Gedanken können dabei helfen. So entsteht Raum für innere Ordnung, statt eine Ansammlung von unverdauten Eindrücken.

Die Beseitigung von Ama kann deshalb als Einladung verstanden werden, wieder bewusster mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Was nimmst du täglich über Nahrung, Medien, Gespräche und Gedanken auf? Was stärkt und nährt dich? Und was hinterlässt eher Belastung als Lebendigkeit?

Denn im Ayurveda ist Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Beschwerden. Sie zeigt sich in Leichtigkeit, innerer Ausgeglichenheit und dem Gefühl, mit sich selbst verbunden zu sein.

Schaffe Platz für neuen Raum, neue Energie, mehr Bewusstheit für das, was in dir wachsen und sich entfalten möchte.

Eure Sibylle Schiller