Autorin: Jessica Granitza • Dauer: 5 Minuten •
Die See-Meditation und die Erinnerung der inneren Ruhe. Neulich habe ich mich an die See-Meditation erinnert. Oder vielmehr habe ich mich völlig ungeplant darin wiedergefunden.
Manchmal befinde ich mich in meinem Leben auf hoher See und versuche, die Wellen zu reiten. Schwierig wird es, wenn mehrere Wellen gleichzeitig kommen. Noch schwieriger, wenn das Wasser zu toben beginnt.
Wie schnell besteht dann die Gefahr, dass es auch in mir anfängt zu toben.
Der innere Ruhepol
Neulich konnte ich unerwartet deutlich diesen Ruhepol spüren. Diesen Punkt in mir, der völlig ruhig ist. Den die Wogen und Wellen und auch die schäumende, tobende Gischt nicht berühren.
Einen Ort in mir, der unverändert ruhig bleibt und sich von den äußeren Umständen nicht beeinflussen lässt. Der ruhige Pol bleibt bestehen, auch wenn die äußere Welt in Unruhe gerät.
Dieses überwältigende Erlebnis hat mich an die See-Meditation von Jon Kabat-Zinn erinnert.
Es gibt ihn wirklich, diesen tief in uns liegenden Ruhepol. Oft wird er von unserem inneren und äußeren Lärm überdeckt. Von Ärger, Sorgen, Erwartungen und all dem, was uns beschäftigt. Manchmal verlieren wir den Zugang zu ihm.
Manchmal ist er schwer zu finden, solange die Wellen an der Oberfläche hoch schlagen.
Wenn wir lernen, diesen Ruhepol in uns bewusst wahrzunehmen, können wir mit einer anderen Form von innerer Ruhe in Verbindung kommen – gerade dann, wenn die Welt um uns herum oder in uns selbst unruhig wird.
Die Wegbeschreibung
Eine Möglichkeit, sich diesem Ort anzunähern, ist die See-Meditation von Jon Kabat-Zinn.
Diese Meditation ist für mich wie eine Wegbeschreibung, in die Tiefen des eigenen Selbst. Das Bild eines Sees ist wie eine Metapher für unser eigenes Inneres. Eine Möglichkeit, unserem Verstand ein Bild für etwas zu geben, das sich nicht wirklich in Worte fassen lässt.
Das Bild des Sees
Ich möchte hier nur eine kurze Zusammenfassung geben und Sie einladen, das Bild eines Sees in Ihrer Vorstellung mit Farben und Formen, Gerüchen und Geräuschen auszuschmücken. Nehmen Sie sich Zeit, mit dem Bild alle Sinne anzusprechen.
Und dann schauen Sie auf die Wasseroberfläche.
Am Anfang können Sie sich eine glatte Oberfläche mit Spiegelungen der Umgebung vorstellen. Verändern Sie die Wasseroberfläche so dann. Lassen Sie das Bild lebendig werden, spielen Sie mit dem Wetter und malen Sie sich aus, wie sich die Wasseroberfläche durch den Wind verändert.
Vielleicht fährt fallen Regentropfen auf den See oder ein Boot fährt darüber. Kleine Wellen entstehen, werden größer, brechen, spritzen und schäumen. Das Wasser ist in Bewegung. Mitunter kann ganz es toben.
Im Winter gefriert es vielleicht an der Oberfläche.
Und trotzdem bleibt es derselbe See.
Wenn Sie dieses Bild eine Weile auf sich wirken lassen, können Sie sich vorstellen, dass Sie tiefer in den See hineinschauen:
Oben ist Bewegung. Unten wird es ruhiger.
Ganz tief unten bleibt das Wasser ruhig, selbst wenn oben die Wellen hochschlagen.
Die Metapher
Vielleicht kennen Sie Bewegungen auf der Oberfläche auch aus Ihrem eigenen Leben. Gedanken kommen und gehen. Gefühle verändern sich. Manchmal ist in uns alles ruhig, manchmal ist dort genauso viel Bewegung wie auf einem See bei starkem Wind. Und manchmal ist es laut tobend.
Und es gibt diesen Ort in uns, den all das nicht vollständig erreicht.
Einen Ort, an dem es ruhig ist. So, wie in der Tiefe des Sees.
Nicht weil die Wellen verschwunden sind. Nicht weil gerade alles gut ist. Sondern weil es neben der Bewegung gleichzeitig diese Ruhe in uns gibt.
Die Akzeptanz
Ich muss die Wellen nicht zum Verschwinden bringen, um Ruhe zu erfahren. Das kann ich auch nicht. Sie gehören zum Leben, wie die Wellen auf dem See.
Die Wellen dürfen da sein, ich kann diese Wellen annehmen und ihnen erlauben da zu sein. Und trotz aller Unruhe und Problemen im Äußeren darf ich mir erlauben, mich ruhig zu fühlen.
Ich darf mich dieser inneren Ruhe zuwenden, die tief in mir zu jeder Zeit verfügbar ist.
In diesem Sinne „Seemanns-Heil!“
Ihre Jessica Granitza






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