Autorin: Sibylle Schiller • Dauer: 6 Minuten •
Wenn dein Körper nach Leichtigkeit ruft – körperliches Ama im Ayurveda. Im letzten Artikel ging es vorwiegend um das geistige Ama – um Gedanken, Gefühle und Eindrücke, die wir aufnehmen, aber nicht vollständig verarbeiten. Was bleibt, kann schwer werden und uns aus unserem inneren Gleichgewicht bringen.
Doch nicht nur unser Geist kann etwas „unverdaut“ in sich tragen. Auch unser Körper zeigt uns, wenn sich zu viel angesammelt hat. Genau dieses Unverdaute kann pathogene Auswirkungen haben, deshalb möchte ich nochmals näher darauf eingehen.
Du fühlst dich schwer und müde, deine Verdauung ist träge, dein Bauch fühlt sich voll an und deine Energie lässt nach. Vielleicht entsteht sogar Heißhunger auf Lebensmittel, von denen du weißt, dass sie dir nicht guttun. Du isst sie trotzdem – und fühlst dich danach noch unwohler.
Im Ayurveda wird dies mit Ama in Verbindung gebracht – Stoffwechselrückständen, die entstehen können, wenn unser Verdauungsfeuer, das Agni, nicht stark genug ist, um alles vollständig zu verarbeiten.
Was braucht dein Körper?
Dabei geht es nicht um schnelle Entgiftung. Viel wichtiger ist die Frage: Was braucht dein Körper, damit er wieder in seine natürliche Balance finden kann?
Weniger ist manchmal mehr
Oft suchen wir nach großen Lösungen: Detox-Kuren, besonderen Produkten oder aufwendigen Programmen. Ayurveda erinnert uns daran, wieder auf die kleinen Dinge zu achten.
Eine Tasse warmes Wasser am Morgen kann ein wohltuendes Ritual sein. Gewürze wie Ingwer, Kreuzkümmel, Fenchel, Koriander oder Kurkuma bereichern nicht nur unsere Mahlzeiten, sondern können auch die Verdauung unterstützen.
Dabei kommt es nicht auf Perfektion an.
Ayurveda beginnt dort, wo du beginnst, dich selbst wieder wahrzunehmen.
Auch deine Ernährung kann deinem Körper eine Pause schenken. Ein klassisches ayurvedisches Gericht dafür ist Kitchari, eine einfache Kombination aus Mungbohnen, Reis und Gewürzen. Es ist leicht verdaulich und nährend zugleich und wird traditionell gerne in Zeiten der Entlastung eingesetzt.
Doch nicht jede Empfehlung passt zu jedem Menschen. Deine Konstitution, dein aktueller Zustand und auch die Jahreszeit spielen eine wichtige Rolle.
Dein Rhythmus
Dein Rhythmus ist Teil deiner Gesundheit. Nicht nur das, was du isst, sondern auch wie du lebst, beeinflusst dein Agni. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Bewegung, bewusste Pausen und eine achtsame Atmung helfen deinem Körper, wieder seinen natürlichen Rhythmus zu finden.
Ein Spaziergang, eine sanfte Yogapraxis oder einige bewusste Atemzüge können manchmal mehr bewirken als ein strenges Detox-Programm.
Nicht mehr tun. Sondern bewusster tun.
Gerade darin liegt für mich ein wesentlicher Unterschied zwischen Ayurveda und vielen modernen Detox-Trends: Es geht nicht darum, gegen deinen Körper zu arbeiten, sondern ihn in seinen natürlichen Fähigkeiten zu unterstützen.
Gerade im Sommer darf es leichter und einfacher werden. Hitze und intensive Sonneneinstrahlung können die Verdauung beeinflussen. Umso wichtiger ist es, auf die eigenen Signale zu hören und das zu wählen, was zur eigenen Konstitution passt.
Dein Impuls für diese Woche
Trinke fünf Tage lang morgens nach dem Aufstehen eine Tasse warmes Wasser. Nimm dir dabei einen Moment Zeit und spüre in dich hinein.
Wie fühlt sich dein Körper an?
Würze anschließend mindestens eine Mahlzeit bewusst mit Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander oder Kurkuma.
Nicht mit dem Gedanken, etwas „wegmachen“ zu müssen, sondern mit einer offenen Haltung:
„Ich beobachte, was mir gut tut.“
Denn manchmal beginnt Leichtigkeit genau dort, wo du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten.
Dein Körper spricht mit dir. Du musst nur beginnen, ihm achtsam zuzuhören und vielleicht stellst du fest, dass auch deine Gedanken sich beruhigen.
Eure Sibylle Schiller






Schreibe einen Kommentar