Autorin: Andrea Weber • Dauer: 5 Minuten •
„Die Gedanken eines Menschen sind sein Königreich“ (aus Afrika) Immer wieder begegnen mir in Zusammenhang mit dem Thema Meditation Aussagen, dass Meditieren dazu führt, dass man mit dem Denken aufhören oder Ruhe in die Gedanken bringen kann. Und was ist, wenn dies nicht geschieht? Hat man dann etwas falsch gemacht? Oder: ist vielleicht eine andere Art der Meditation besser? Oder: ist man schlichtweg nicht geeignet für das Meditieren? Allerlei Zweifel und damit verbundenes Unbehagen tauchen auf.
Dies ist sicher nicht das „Ziel“ der Achtsamkeitsmeditation.
Schlechte Gedanken???
Was ist so „schlecht“ an den Gedanken, dass wir sie loswerden müssen oder weniger davon haben sollten? Gedanken sind einfach Gedanken – und keine Fakten. Wir brauchen unser Denken, um uns in der Welt zurecht zu finden, um Entscheidungen treffen zu können, die zu uns passen.
Vielleicht ist es nicht das Denken an sich, das uns Probleme bereitet und wir es deshalb irgendwie verändern wollen, sondern unsere Haltung den Gedanken gegenüber. Wenn wir sie neugierig und offen beobachten könnten, ohne in ein Mitdenken oder Grübeln zu geraten, wie wäre dies?
Denk-Übung
Ich möchte heute zu einer kurzen „Denk-Übung“ einladen. Diese kann alleine oder zu zweit durchgeführt werden. Pro Person dauert die Übung 5-10 Minuten; ihr könnt wählen, ob ihr sie eher kurz oder etwas länger machen wollt.
Wenn du sie alleine machst, leg dir Papier und Stift bereit. Und wenn ihr zu zweit seid, dann setzt euch gegenüber und legt fest, wer mit dem Reden beginnt, bzw. wer zuhört. Dann stellt ihr euch selbst ober die Person, die zuhört die Frage:
- Über was möchte ich/möchtest du nachdenken und was sind meine/deine Gedanken?
Dann schreibst du diese Gedanken auf, so wie sie kommen, ohne darüber nachzudenken, ob sie Sinn machen oder nicht, ob es jemand versteht oder nicht. Oder du sprichst die Gedanken aus. Die Person, die zuhört, unterbricht nicht, muss nicht verstehen, was gesagt wird, stellt keine Fragen, gibt keine Ratschläge, sondern hört nur aufmerksam zu.
Diese Zeit des bewussten Denkens, das ohne bestimmte Absicht erfolgt, das zu keinem Ergebnis führen muss, ist ein Geschenk an sich selbst. Und die Person, die zuhört, schenkt ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit. So kann ein Raum entstehen, in dem Gedanken einfach sein können, so wie sie sich zeigen. Dieser Raum lädt Gedanken ein.
Es kann sein, dass nach einiger Zeit keine Gedanken mehr aufgeschrieben bzw., gesagt werden, dann kann die zweite Frage gestellt werden:
- Was noch denke ich/denkst du, fühle ich/fühlst du oder möchte ich/möchtest du außerdem noch sagen?
Wenn die vereinbarte Zeit vorbei ist, kurz innehalten. Und dann können Erfahrungen mit dem Denken bzw. Zuhören ausgetauscht werden, bzw. auch diese aufgeschrieben werden. Hier ein paar Anregungen:
- Wie war es, sich Zeit zu nehmen und nachzudenken.
- Wie war es, denken zu können ohne unterbrochen zu werden?
- Wie war das Zuhören?
„Achtsamkeit ermöglicht uns, unter die Oberfläche der Erscheinungen zu blicken, um das wahrzunehmen, was sich tatsächlich in unserer eigenen Erfahrung, in unserem Körper und unserem Geist entfaltet“
Jon Kabat – Zinn
Ihre Andrea Weber






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