Autor:  Thomas Schönmetz • Dauer: 5 Minuten • 


Klarheit in der Führung. Bevor wir andere führen, sollten wir lernen, uns selbst zu führen. Führung beginnt nicht mit der Frage: Was müssen meine Mitarbeiter besser machen? Führung beginnt mit der Frage: Was muss ich selbst klarer sehen?

Es ist spät geworden.

Das Büro ist leer. Auf dem Schreibtisch liegen noch Unterlagen, das Telefon hat heute wieder unzählige Male geklingelt. Eigentlich wollte man längst zu Hause sein. Doch da ist noch dieses eine Problem: ein Mitarbeiter, eine aufgeschobene Entscheidung, ein unzufriedener Kunde oder ein Projekt, das nicht vorankommt. Und irgendwo dazwischen der Gedanke:

„Warum muss ich mich eigentlich um alles selbst kümmern?“

Vielleicht kennen Sie diesen Moment. Als Unternehmer trägt man sein Unternehmen oft auch dann noch mit sich herum, wenn der Arbeitstag längst vorbei ist. Doch irgendwann stellt sich eine andere Frage:

Führe ich mein Unternehmen noch – oder führt mein Unternehmen inzwischen mich?

Klarheit beginnt beim Unternehmer

Wir beschäftigen uns als Unternehmer mit Kunden, Mitarbeitern, Umsätzen, Kosten, Wettbewerb und Veränderungen. Doch manchmal liegt die entscheidende Antwort nicht dort draußen, sondern bei uns selbst. Ein Unternehmen entwickelt sich nicht unabhängig von seinem Unternehmer. Unsere Entscheidungen, Überzeugungen und Gewohnheiten prägen die Unternehmenskultur – häufig stärker, als uns bewusst ist. Was wir ständig kontrollieren, wird zur Kultur. Was wir nicht delegieren, bleibt an uns hängen. Was wir nicht ansprechen, bleibt unausgesprochen. Hier beginnt für mich die Verbindung zwischen Achtsamkeit und Führung. Achtsamkeit bedeutet, wahrzunehmen, was gerade geschieht, ohne sofort zu bewerten oder reflexartig zu reagieren. Auch auf sich selbst.

Klar sehen – klar denken – klar handeln

In meiner Arbeit als Unternehmensberater mit TS Methoden begegne ich immer wieder Unternehmern, die wissen, dass sich etwas verändern müsste. Und trotzdem geschieht nichts. Oft fehlt es nicht an Erfahrung. Im Gegenteil: Gerade erfolgreiche Unternehmer haben gelernt, Herausforderungen zu bewältigen und Entscheidungen zu treffen. Doch Erfahrung kann auch dazu führen, dass wir Dinge nicht mehr hinterfragen. Wir tun sie so, wie wir sie immer getan haben. Deshalb arbeite ich mit einem einfachen Prinzip:

Klar sehen. Klar denken. Klar handeln.

Klar sehen

heißt, ehrlich wahrzunehmen, wo wir wirklich stehen. Nicht dort, wo wir gerne stehen würden, sondern dort, wo wir tatsächlich stehen.

Klar denken

heißt, die eigenen Überzeugungen zu überprüfen: Ist das wirklich noch richtig – oder mache ich es nur so, weil es bisher funktioniert hat? Dabei ist die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Gewohnheit entscheidend. Und schließlich:

Klar handeln.

Denn Erkenntnis allein verändert noch kein Unternehmen. Irgendwann muss eine Entscheidung getroffen, ein Gespräch geführt, Verantwortung abgegeben oder eine Veränderung begonnen werden.

Klarheit wird erst dann wirksam, wenn aus ihr Handlung entsteht.

Die unbequemen Fragen

Aus diesem Gedanken heraus habe ich einen strukturierten Fragenkompass für Unternehmer entwickelt. Er führt durch die eigene Rolle, unternehmerische Klarheit, persönliche Stärken und Erfahrungen, Gewohnheiten, Führung und Zukunft. Dabei geht es nicht darum, die „richtigen“ Antworten zu finden.

Es geht um ehrliche Antworten.

Zum Beispiel:

  • Bin ich noch Unternehmer – oder bin ich inzwischen hauptsächlich Verwalter meines eigenen Unternehmens?
  • Welche Entscheidung schiebe ich bereits seit Monaten vor mir her?
  • Welche Veränderung weiß ich eigentlich längst, dass sie notwendig wäre?
  • Wo steht mir mein eigener Perfektionismus im Weg?
  • Lebe ich selbst das vor, was ich von meinen Mitarbeitern erwarte?

Das sind keine klassischen Management-Fragen. Es sind Fragen, die uns als Unternehmer und als Menschen betreffen.

Führung beginnt bei uns selbst

Wir wünschen uns Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, Eigeninitiative zeigen und Entscheidungen treffen. Doch diese Eigenschaften können wir nicht einfach von anderen verlangen. Wir müssen sie selbst vorleben.